Einführung: Das unsterbliche COBOL

Cobol

In der schnelllebigen Welt der Technologie, in der JavaScript-Frameworks schneller altern als Milch, gibt es eine Konstante, die seit über sechs Jahrzehnten besteht: COBOL. Während viele glauben, COBOL gehöre ins Museum, pulsieren in diesem Moment Billionen von Codezeilen durch die Serverräume der größten Banken und Versicherungen weltweit.

Willkommen in der Welt der "Common Business Oriented Language" – der Sprache, die einfach nicht sterben will.

1. Was ist COBOL? Ein historischer Rückblick

COBOL steht für COmmon Business Oriented Language. Sie wurde 1959 von einem Komitee namens CODASYL entwickelt, mit einem klaren Ziel: Eine Programmiersprache zu schaffen, die dem Englischen so nahe wie möglich kommt, damit sie auch für Geschäftsleute (und nicht nur für Mathematiker) lesbar ist.

Eine der treibenden Kräfte war die legendäre Grace Hopper, auch bekannt als "Grandmother of COBOL". Sie setzte sich massiv für das Konzept der maschinenunabhängigen Sprachen ein.

Die Definition heute: COBOL ist eine imperative, prozedurale Sprache, die speziell für die massenhafte Datenverarbeitung in Unternehmen optimiert ist. Sie ist darauf ausgelegt, Millionen von Transaktionen mit höchster Präzision und Zuverlässigkeit zu verarbeiten.

2. Das Skelett: Die 4 Divisionen eines COBOL-Programms

Ein COBOL-Programm ist extrem strukturiert. Im Gegensatz zu modernen Sprachen, die oft sehr "frei" geschrieben werden können, erzwingt COBOL eine strikte Aufteilung in vier Bereiche (Divisions).

I. Identification Division

Dies ist der "Personalausweis" des Programms. Hier stehen Metadaten wie der Programmname, der Autor und das Erstellungsdatum.

Wichtigster Befehl: PROGRAM-ID. HELLO-WORLD.

II. Environment Division

Hier wird die Brücke zur Außenwelt geschlagen. COBOL muss wissen, auf welcher Hardware es läuft und welche Dateien es verwenden soll. Es verknüpft die logischen Dateinamen im Code mit den physischen Dateien auf dem System.

III. Data Division

Hier passiert die Definition aller Variablen und Dateistrukturen. COBOL nutzt dafür ein hierarchisches System (Level-Nummern wie 01, 05, 10) und "Picture Clauses" (z. B. PIC 9(5) für eine fünfstellige Zahl), um genau festzulegen, wie Daten im Speicher aussehen.

IV. Procedure Division

Dies ist der Maschinenraum. Hier steht die eigentliche Logik: Berechnungen (COMPUTE), Schleifen (PERFORM) und Datenbewegungen (MOVE).

 

3. Fact-Check: 5 Mythen über COBOL

Es kursieren viele Halbwahrheiten über diese Sprache. Räumen wir damit auf:

1. Mythos: COBOL ist tot.

Die Realität: 

Weit gefehlt. Schätzungen zufolge sind über 220 bis 800 Milliarden Zeilen COBOL weltweit im Einsatz.

2. Mythos: COBOL ist langsam.

Die Realität: 

Im Gegenteil: Bei der Verarbeitung riesiger Mengen an Datensätzen (Batch-Processing) ist COBOL auf Mainframes oft schneller als moderne Sprachen.

3. Mythos: Es gibt keine COBOL-Jobs.

Die Realität: 

Die Nachfrage ist riesig, da erfahrene Entwickler in Rente gehen und das Wissen für kritische Infrastrukturen dringend gebraucht wird.

4. Mythos: COBOL ist unsicher.

Die Realität: 

COBOL läuft meist auf IBM zSystems- und BS2000-Mainframes, die zu den sichersten Plattformen der Welt gehören.

5. Mythos: COBOL kann kein Cloud.

Die Realität: 

Falsch. Dank moderner Compiler (z.B. von Micro Focus oder IBM) lässt sich COBOL wunderbar in Cloud-Umgebungen und Container integrieren.

 

4. COBOL im Jahr 2025/2026: Wo ist es heute noch?

Auch im Jahr 2026 ist die Weltwirtschaft ohne COBOL kaum vorstellbar. Wenn Sie heute eine Kreditkarte nutzen oder eine Versicherung abschließen, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass im Hintergrund ein COBOL-Programm läuft.

Fokus: Finanzwesen & Versicherungen

  • Bankentransaktionen: Rund 80 % der persönlichen Banktransaktionen und 95 % aller Geldautomaten-Vorgänge weltweit basieren auf COBOL.

  • Versicherungskerne: Die Verwaltung von Millionen von Versicherungspolicen erfordert eine enorme Rechenleistung und Datenintegrität. COBOL-Systeme bei Branchenriesen erledigen das seit Jahrzehnten fehlerfrei.

  • Stabilität vor Innovation: In diesen Branchen gilt: "Never change a running system". Die Kosten und Risiken, ein über 40 Jahre gewachsenes, perfekt funktionierendes System komplett auf Java oder Python umzustellen, sind oft astronomisch hoch.

 

Deswegen ein bisschen Blog ;)